RÜCKBLICK
Nachdem das erste Volume zu Ende ist, wollte ich der kleinen, aber feinen Staffel einen persönlichen Rückblick widmen und vielleicht interessiert es den einen oder anderen ja, was ich mir bei so manchen Dingen gedacht habe.
Wie entstand die Serie? ... Schon lange hatte sich der Gedanke in meinem Kopf festgesetzt, dass ich eine Geschichte um einen Antihelden schreiben wollte. Jemanden, den man eigentlich nicht wirklich gern hat, mit dem man sich nicht identifizieren kann, aber der so viele Ecken und Kanten hat, dass man ihn interessant genug findet, um dennoch gefesselt zu sein. Doch eine richtige Idee wollte mir nicht zufliegen bis ich eines Tages wieder auf Jenna stieß, einen Charakter, den ich bereits in einer Wesley FF 'Black Coffee' benutzt hatte. Allerdings war ich absolut nicht zufrieden damit, dass mein Hauptcharakter eine Frau werden sollte. Eine Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat und nur die Erinnerungen von anderen sieht, die ganze Geschichte war mir zu viel mit Klischees behaftet, also dachte ich um und Sloan war geboren, ohne dabei Jenna außer Acht zu lassen. Das war der Antiheld, den ich wollte und ich gebe zu, als ich die ersten Sätze schrieb, wusste ich zwar was ich wollte, aber die rote Linie war nicht 100& definiert. Aber mit jedem Wort und mit jedem weiteren Rädchen, das sich in meinem Gehirn anfing zu drehen, war das auch schnell vom Tisch. Doch eine Geschichte funktioniert nur dann, wenn auch ihre Charaktere funktionieren.
Also musste eine genaue Linie für Sloan her. Mir war klar, dass er jemand sein sollte, der mit seinem Leben abgeschlossen hat, vor sich hin lebt und weder sich, noch alles um sich herum wirklich ernst nimmt. Doch welches Ereignis würde dazu führen? Da Sloan für mich jemand war, der zuvor einen starken Sinn für Gerechtigkeit hat, wird er plötzlich damit konfrontiert, dass die Gerechtigkeit nicht immer gerecht ist. Damit gerät sein Weltbild so vollkommen auseinander, dass er einen vorsätzlichen Mord begeht. Er bereut nichts und akzeptiert, die Strafe, die man ihn auferlegt, doch damit verändert sich alles in ihm, denn sein Gewissen lässt ihn die Schuld nicht vergessen, selbst als man ihn freispricht. Mit dem Mord ist sein vorheriges Leben vorbei und er wartet mehr oder weniger nur darauf, dass es ein Ende hat. Ein paar Zweifel hatte ich immer, dass ein einziger Mord ausreicht, um einen Menschen so zu verändern, aber ich denke, ich habe es ganz gut zum Ausdruck gebracht. Aber diese Ereignisse machen noch lange nicht einen Charakter mit Ecken und Kanten aus. Also wurde Sloan wortkarg, ein wenig undurchschaubar, ausdruckslos, umgeben von einer dicken Mauer hinter der er seine eigenen Regeln im Leben aufgestellt hat, doch Dank der grausamen Visionen, die er erlebt, merkt man schnell, dass ihm nicht alles vollkommen egal. Ich denke, dass ich die feinen Linien in seinem Charakter getroffen habe und ich hoffe, dass ich mit der Weiterentwicklung die Balance halten kann.
Aber was ist eine Geschichte ohne Gegenpart. Ich wusste genau, dass ich eine starke Frau neben ihm wollte, die ihren Weg geht, sich nicht einschüchtern lässt, aber ich wollte auf keinen Fall eine sexy Karrierefrau, die mit einem Fingerschnippen, die Männer zum schweigen bringt und all gegenwärtig präsent ist. Schnell war mir klar, dass es eine Frau ist, die zielstrebig, nicht ohne einen Grund ihren Job gewählt hat, hübsch, aber nicht atemberaubend sexy ist und sich auf ihre ganz eigene Art und Weise gegen ihre Gegner durchsetzt. Schnell war Kem gezeichnet, dass sie dabei koreanischer Abstammung ist, liegt einfach an meinem Hang zu asiatischen Frauen. Allerdings hatte ich bei ihr oft meine Zweifel, ob ich zwischendurch nicht doch ihre Linie verlasse, vor allen Dingen, da ich nicht wusste in wie weit ich eine Skeptikerin an das glauben lassen konnte, was mit Sloan passiert. Aber ich musste immer an Dana Scully denken, die irgendwie ein bisschen Vorbild für Kem war. Sie hat auch immer gezweifelt, aber dennoch die Dinge erkannt.
Natürlich sollte auch eine Beziehung zwischen den beiden entstehen, die auf Grund der zwei grundverschiedenen Persönlichkeiten nicht von heute auf morgen entstehen kann. Beide haben ihre Päckchen auf den Schultern zu tragen. Sloan und sein aufgegebenes Leben, Kem und ihre wenige unterstützende Familie, dabei haben die beide einen schützende Mauer um sich aufgebaut, die langsam ihre Löcher bekommt und bekommen soll. Allerdings war mir auch hier klar, dass Sloan auf andere Weise auf etwas angehendes Vertrautes reagiert, als Kem. Während Sloan anfängt jemanden in sein Leben zu lassen, bringt Kem diese Veränderung aus dem Gleichgewicht, doch ich denke, dass sich beide damit ergänzen und somit gegenseitig dafür sorgen, dass sie sich nicht wieder entfernen.
Was die Episoden betrifft, besitzen sie alle den gleichen Tonus, aber dennoch einen anderen Drive. Während die erste, für mich persönlich, eine lange Einleitung war, zeigten Episode 2 und 3 , was mit Sloan passiert, wie sich die Visionen auswirken und wie Kem damit umgeht. Die 4. hingegen bringt die beiden wieder ein Stück näher und leitet auf etwas gediegener Art und Weise das Finale ein. Das Finale hingegen hat für mich einen vollkommen anderen Drive. Während die ersten vier Episoden sich eher damit beschäftigt hat, was mit Sloan passiert, beschäftigt sich die letzten Folge von Volume 1 eher mit dem 'warum. Vielleicht ist das auch nur ein zu sehr subjektiver Eindruck, aber es musste alles in eine Episode passen, da ich es nicht unnötig strecken wollte und schließlich muss ja auch noch was für Volume 2 übrig bleiben.